Eine aktuelle Studienveröffentlichung im Harvard Business Review macht gerade Furore. Der Tenor: KI reduziert nicht die Arbeitslast, sondern intensiviert sie. Was bedeutet das für uns Solopreneure im letzten Drittel der Selbstständigkeit?
Ich ordne es so sein: Wenn wir nicht aufpassen, geraten wir in noch mehr Überforderung, als wir sie ohnehin schon erleben. Es ist ein schleichender Prozess. Der Vergleich zum Frosch im Kochtopf drängt sich auf: Wenn das Wasser schon kocht, springt er sofort heraus. Wenn es nach und nach erhitzt wird, bleibt er im Wasser.
Damit das im Solo-Business nicht geschieht, kommt es ab sofort auf drei wichtige Schlüssel an.
Wichtige Takeways vorab:
- Die Studie: 8-monatige Untersuchung, wie der Einsatz von generativer KI die Arbeitsgewohnheiten ändert.
- Ergebnis: Die Arbeitslast wurde nicht verringert, sondern intensiviert.
- Gründe dafür: Aufgaben-Ausweitung, die Grenzen zwischen Arbeitszeit und privater Zeit verwischten und es entstand ein sich selbst verstärkender Kreislauf von schnelleren Ergebnissen durch KI, höheren Erwartungen und mehr Abhängigkeit von der KI, um die Erwartungen zu erfüllen.
- Weshalb das wichtig ist: Die Intensivierung der Arbeitslast war ein schleichender Prozess. Was anfangs Spaß machte und freiwillig getan wurde, wurde zur neuen Norm mit Risiken für die Unternehmen (Fehleranfälligkeit) wie die Angestellten (Burnout)
- Die besondere Brisanz für Solopreneure: Bereits bestehende Überforderung kann sich weiter verstärken. Mögliche Entlastung durch KI kann sich ins Gegenteil verkehren. Da es ein schleichender Prozess ist, merkt man es u.U. erst dann, wenn es zu spät ist.
- Drei wichtige Schlüssel für Solopreneure, um das zu vermeiden: Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst und der KI, strategische Nutzung der KI statt Tool-Verliebtheit sowie Aneignung von KI-Kompetenz.
I. Die Studie und ihr überraschendes Ergebnis: Mehr Arbeits-Intensität statt Entlastung
Die Studie wurde von Aruna Ranganathan und Xingqi Maggie Ye (beide Haas School of Business / UC Berkeley) durchgeführt. Die Ergebnisse sind im Harvard Business Review veröffentlicht.
Die Forscherinnen untersuchten 8 Monate in einem US-basierten Technologie-Unternehmen mit ca. 200 Mitarbeitenden, wie der Einsatz von generativer KI die Arbeitsgewohnheiten änderte.
Während nach verbreitetet Meinung der Einsatz von KI zu Reduzierung der Arbeitslast führt, war das hier nicht der Fall.
Sondern die Menschen arbeiteten intensiver - auf freiwilliger Basis. Ohne Anordnung "von oben".
II. Warum sich die Arbeitsdichte erhöht
- Aufgaben-Ausweitung: Die vielen neuen Möglichkeiten durch die KI führten dazu, dass die Beschäftigten Dinge taten, die über ihren eigentlichen Arbeitsbereich hinausgingen, zum Beispiel selbst Code schrieben, statt das den Entwicklern zu überlassen.
- Verschwommene Grenzen zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit: Weil dank der KI alles so einfach schien, wurden auch in Pausenzeiten noch Prompts erstellt und andere Aufgaben erledigt. Zunächst machte das Spaß. Irgendwann merkte man, dass man sich nicht mehr richtig erholte in den Pausen.
- Mehr Multitasking: Hin und Her-Switchen zwischen eigenen Arbeiten, weiteren Prompts für die KI, Überwachung mehrerer Agenten und ähnliche Situationen nahmen zu. Das neue Tempo wurde mehr und mehr als Standard erwartet und verstärkte diese Tendenzen.
III. Der sich selbst verstärkende KI-Zyklus: Ein schleichender Prozess - wie beim Frosch im kochenden Wasser
Die Studie erinnert an den Frosch im kochenden Wasser. Angeblich springt er sofort heraus, wenn er in kochendes Wasser geworfen wird, während er das nicht tut, wenn das Wasser nach und nach erhitzt wird. Ob das so zutrifft, sei dahingestellt. Ich habe es nie selbst getestet. Doch das Bild macht deutlich, worum es wirklich geht.
Am Anfang standen Neugierde, Spaß und Lust an besserer Leistung im Vordergrund. Die Intensivierung der Arbeitslast war ein schleichender Prozess und wurde erst im Rückblick immer sichtbarer.
Es war ein sich selbst verstärkender Zyklus: Die KI beschleunigte bestimmte Aufgaben. Dadurch wuchsen die Erwartungen an Schnelligkeit. Dadurch wurden die Angestellten noch abhängiger von der KI, probierten Neues aus, und der Umfang und Dichte der aufgaben nahm zu. Selbst wenn sie sich produktiver fühlten, waren sie genauso "busy" wie zuvor, teilweise sogar noch mehr als zuvor.
IV. Warum das für Solopreneure besonders brisant ist
Für uns Solopreneure im letzten Drittel der Selbstständigkeit ist die Situation noch brisanter. Denn auf uns lastet von vornherein noch mehr als auf Angestellten in einem arbeitsteilig organisierten Unternehmen. Zu den vielen Hüten, die wir ohnehin schon tragen, kommen weitere hinzu:
- Herausforderung, inSachen KI überhaupt auf dem Laufenden zu bleiben: Hohe Schlagzahl bei KI-Neuigkeiten. Sensationsmeldungen und Superlative im Stundentakt . Wettbewerb der Anbieter. Vielzahl der Modelle. Sich damit zu befassen, kostet enorm viel Zeit und Energie. Es muss "nebenbei" erfolgen, neben unserem Haupt-Business.
- Weitere Verwischung der Grenzen zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit: Nicht abschalten zu können, ist schon jetzt eine Riesen-Herausforderung für Selbstständige. Wer im Home-Office arbeitet, tut sich damit noch schwerer. Wenn es dann noch Spaß macht, mit der KI zu experimentieren oder auch konkrete Ergebnisse damit zu erreichen, steigt das Risiko, die Regeneration zu vernachlässigen.
- Ausgaben-Ausweitung und Informations-Überflutung: Es ist verführerisch, wenn die KI bei allem Möglichen helfen kann. Viele KI-Modelle praktizieren zudem eine Art von "Upsell", wie wir es aus Marketing-Kampagnen kennen. Eigentlich ist man fertig. Dann kommt noch ein Angebot, noch dieses oder jenes zu liefern. Passt nicht? Ein weiteres Angebot. Passt auch nicht? Es gibt noch etwas anderes. Irgendwann hat man mehr Zeit verbracht, als eigentlich geplant, geht mit einem Berg an Informationen und muss Wege finden, das weiter zu verarbeiten.
V. Drei Schlüssel für langjährige Solopreneure, sich mit KI zu entlasten statt zu überfordern
Während die Studie Empfehlungen für die Unternehmen gibt, wie sie mit den neuen Phänomenen umgehen können, sind wir als Solopreneure auf uns selbst gestellt.
Umso wichtiger, gezielt die Möglichkeiten zu untersuchen. Drei zentrale Schlüssel sind
- Schlüssel #1: Achtsamkeit für das, was uns gut tut und was nicht
- Schlüssel #2: Strategische Klarheit für unser Business und die Rolle von KI
- Schlüssel #3: Die nötige KI-Kompetenz erwerben
Schlüssel #1: Achtsamkeit & Grenzen ziehen
Auf der einen Seite erleben wir als Solo-Selbstständige besondere Herausforderungen. Gleichzeitig haben wir auch besondere Freiräume, unser berufliches und privates Leben zu gestalten.
- Wir genießen mehr zeitliche Flexibilität als typische Angestellte.
- Wir können unsere Pausen kreativer nutzen, angepasst an die aktuellen Bedürfnisse.
- Wir können frei entscheiden, wie viele Informationen und welcher Art wir in unser Leben hereinlassen.
Achtsamkeit ist der Schlüssel dafür, darauf zu achten, was uns selbst gut tut, und dementsprechend zu handeln oder auch "nein" zu sagen. Das fügt sich gut ein in das Thema "Self-Care" im letzten Drittel der Selbstständigkeit
Schlüssel #2: Strategische Klarheit vor Tool-Begeisterung
Es wäre ein Leichtest, einfach auf all die KI-Infos zu reagieren, die uns täglich überfluten. Von einem Tool zum anderen zu springen. Sich anstecken zu lassen von Sensationslust einerseits und FOMO (Fear Of Missing Out) andererseits.
Doch es würde nicht weiter führen. Wir würden eine Menge Energie verbrennen und wenig erreichen.
Die richtige Reihenfolge ist: Erst die strategische Klarheit zu erzielen, wohin du mit deinem Business im letzten Drittel deiner Selbstständigkeit willst und welche Rolle KI dabei spielen soll.
Mit meinem Business Rebirth Bootcamp gewinnst du strategische Klarheit bereits in kurzer Zeit.
Außerdem ist es sinnvoll, dein Business vorab zu vereinfachen, bevor noch mehr Projekte und To dos hinzukommen. Daran, das Business radikal zu vereinfachen, arbeiten wir gerade sehr intensiv im Freedom Business Club. Wenn du mehr dazu wissen möchtest, nimm gern Kontakt mit mir auf.
Schlüssel #3: KI-Kompetenz erwerben
Damit meine ich unter anderem:
- Generelles Verständnis darüber, wie KI funktioniert
- Verständnis der Möglichkeiten von KI bzw. bestimmter Tools bzw. Modelle
- Bewusstsein der juristischen und technischen Rahmenbedingungen sowie von Sicherheitsfragen in Zusammenhang mit KI
- Praktische Skills, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen
- Auf dem Laufenden bleiben und deine KI-Kompetenz weiterentwickeln
- Und last but not least: Zu wissen, wozu du "nein" sagst.
VI. Fazit, Infografik & weitere Ressourcen
1: Die Frage ist nicht, ob du KI nutzt. Sondern wie du sie nutzt.
Im letzten Drittel der Selbstständigkeit hast du die Erfahrung und Reife, nicht blindlings allen möglichen Trends zu folgen oder dich von der KI oder anderen Tools abhängig zu machen. Sondern selbst zu bestimmen, wie du dein Leben und Business führen willst, und dich mehr von deinem inneren Kompass leiten zu lassen als von äußeren Einflüssen.
KI ist inzwischen mehr als ein Trend, sondern Teil unserer Realiät.
Sie hat ungeheure Potenziale und es werden ständig neue Anwendungsmöglichkeiten deutlich. Doch diese Potenziale zu nutzen, setzt die innere persönliche und strategische Ausrichtung voraus. Nur reflexhaft auf alles Neue zu reagieren, führt nur in Verzettelung und Überlastung.
Wenn du aktuell nach innerer Klarheit und strategischer Ausrichtung suchst, empfehle ich dir mein Business Rebirth Bootcamp. Mit der DIY-Version kannst du in deinem Tempo damit arbeiten und die für dich stimmige Strategie entwickeln. Damit praktizierst du bereits das, was auch im Umgang mit KI wichtig ist.
2: Infografik

3: Nützliche Ressourcen
2) Der Smart Content Report von Jan Tissler, ein Schwester-Projekt des Upload-Magazins. Auch lesenswert: Wie er mit der KI zusammenarbeitet für die Website bzw. den Newsletter
3) Roger Basler De Roca: immer sehr gründlich recherchiert, in die Tiefe gehend, sehr geeignet zur eigenen Meinungsbildung, auch auf LinkedIn zu finden
4) Mit den Videos der Digitalen Profis, Johannes Ruof und Timothy Meixner, bin ich ständig auf dem Laufenden über Neuheiten in der KI-Welt - unaufgeregt und fundiert präsentiert. Im wöchentlichen Linkedin-Newsletter gibt es alles noch einmal zum Nachlesen.
5) Christoph Magnussen, CEO von Blackboat, bietet auf seinem YouTube-Kanal KI in der Anwendung, gepaart mit strategischem Denken und Einblicken, wie er die KI in seinem eigenen Business nutzt. Auch er ist auf LinkedIn aktiv.
6) KI für Solopreneure: Dafür ist Lea Giltjes meine Go-to-Person, die unglaublich großzügig ihr Wissen teilt. Wenn du auch noch Notion nutzt, kannst du noch mehr von ihr lernen, auch über die Verbindung von KI und Notion.
VII. Lass uns weiter diskutieren
Ich meine, dass dieses Thema unbedingt weiteren Austausch braucht. Wenn du das ebenfalls so siehst, dann komm in meine Community für Solopreneure mit Erfahrung (0 EUR). Dort können wir dann diskutieren, welche positiven Erfahrungen und Herausforderungen es gibt bei der Nutzung von KI im letzten Drittel der Selbstständigkeit, welche weiteren Informationsquellen es gibt und vieles mehr.
Melde dich hier an zu meiner Community.
Falls du weitere Beiträge lesen möchtest zum letzten Drittel der Selbstständigkeit, dann abonniere meinen Newsletter.

